Glossar

Für eine Vertiefung der Information wird die Benutzung der Nachschlagewerke „Enzyklopädie des Nationalsozialismus” (hg. von Benz u.a.) und „Enzyklopädie des Holocaust” (hg. von Jäckel u.a., s. Literaturverzeichnis) sowie der allgemeinen Nachschlagewerke empfohlen.

 

Aktion 1005

Deckname für das Unternehmen, mit dem ab 1943 die Spuren der
Massenmorde im besetzten Europa verwischt werden sollten.
Die mobilen und lokalen Sonderkommandos bestanden aus SDund
SiPo-Offizieren und deutschen Schutzpolizisten. Zur Exhumierung
und Verbrennung wurden hauptsächlich gefangene Juden
eingesetzt, die anschließend umgebracht wurden. Gefangene aus
den in Ponary und im Neunten Forts in Kaunas eingesetzten
Sonderkommandos konnten flüchten, einige überlebten und konnten
von den Gräueln berichten.

 

Aschkenasim

Aus dem Hebräischen abgeleiteter Begriff für die jiddisch sprechenden
Juden, die vor allem im 13. und 14. Jahrhundert aus dem
Rheinland und Franken vor Pogromen und Verfolgungen flohen
und in Polen, Litauen und Russland Zuflucht fanden. Von den aus
dem Westen stammenden „Aschkenasim” werden die nach 1492
aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden „Sephardim” unterschieden.

 

Der Bund / Bundisten

„Der Bund”, gebräuchliche Abkürzung für „Allgemeiner Jüdischer
Arbeiterbund in Litauen, Russland und Polen”, 1897 in Wilna
gegründete sozialistische jüdische Partei sowohl gegen die zaristische
Repression als auch gegen die feudalen Strukturen in der
jüdischen Gemeinschaft gerichtet. Der „Bund” vertrat eine soziale,
kulturelle und pädagogische Mission im Sinne einer modernen
jüdischen Aufklärung, eine „Ethik der Brüderlichkeit” und – im
Unterschied zu den Zionisten – den Kampf um Gleichberechtigung
„in der Heimat”, dem damals zaristischen Polen, Litauen und
Weißrussland. Zahlreiche „Bundisten” gehörten dem jüdischen
Widerstand an.

 

Chassidismus

„Chassidismus” bezeichnet eine im osteuropäischen Judentum
im Laufe des 18. Jahrhunderts erstarkende, religiöse Bewegung,
die – im Gegensatz zu theologischer Gelehrsamkeit – den einfachen
Glauben, fröhlichen Gottesdienst und Verinnerlichung des
religiösen Lebens predigte. Die Schriften des großen jüdischen
Religionsphilosophen, Hochschullehrers und Publizisten Martin
Buber (1878–1965), der von 1916 bis zu seiner Emigration 1938
in Heppenheim/Bergstraße lebte, führen in die mystische Geisteswelt
des Chassidismus ein.

 

Deutsche Arbeitsfront (DAF)

1933 nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften von der
NSDAP gegründete Organisation, der neben Arbeitnehmern „zur
Überwindung des Klassenkampfes” auch Unternehmer angehörten.
Der Zwangsbeitrag trotz „freiwilliger” Mitgliedschaft ließ die
DAF unter ihrem Leiter Robert Ley zur größten NS-Organisation
werden, die – neben Propaganda, Schulung und Freizeitgestaltung
– vor allem die Arbeiterschaft für den NS-Staat gewinnen sollte.
Eine massenwirksame DAF-Gründung war die Freizeitorganisation
„Kraft durch Freunde” (KdF), die mit vielfältigen
Kultur- und Touristikangeboten den Gedanken der „deutschen
Volksgemeinschaft” popularisierte.

 

Displaced Persons, DP-Lager

Überlebende aus den Vernichtungs- und Konzentrationslagern
(Juden und Nichtjuden) und der Todesmärsche wurden nach 1945
in Lagern für Displaced Persons in Deutschland, Österreich und
Italien zusammengefasst, um sie in ihre Heimat- oder in
Emigrationsländer zu bringen. Dies gelang bis zum Jahresende
1945 mit den meisten aus Westeuropa stammenden Lagerbewohnern.
Die DP-Lager unterstanden der Kontrolle der
Militärbehörden und wurden von einer UNO-Organisation betreut.
Zionistische Organisationen bereiteten in den Lagern auf
die Auswanderung nach Palästina/Israel vor. Erst 1957 wurde das
letzte jüdische DP-Lager in Deutschland aufgelöst.

 

Einsatzgruppen

Mobile Tötungseinheiten des SS- Sicherheitsdienstes (SD) und
der Sicherheitspolizei (SiPo) in den von den Deutschen besetzten
Gebieten zur „Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlichen
Elemente im Feindesland rückwärts der fechtenden Truppe”. Sie
wurden von der Wehrmacht unterstützt, bei den Massenmordaktionen
auch von einheimischen Hilfspolizeitruppen. Mit dem
deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurden vier Einsatzgruppen
(A bis D) aufgestellt, die sich zum zentralen Instrument
der Judenvernichtung entwickelten. Die Einsatzgruppe
A operierte in den baltischen Staaten (Litauen, Lettland, Estland)
und dem Gebiet zwischen deren Ostgrenzen und dem Bezirk
Leningrad. Jede Einsatzgruppe war untergliedert in vier bis fünf
Einsatz- oder Sonderkommandos.

 

Einsatzstab Rosenberg

Benannt nach dem „Chefideologen” des NS-Regimes Alfred
Rosenberg. Der „Rosenberg-Stab” (offiziell: Einsatzstab Reichsleiter
Rosenberg, ERR) betrieb mit Ermächtigung Hitlers die
Beschlagnahme und den Raub von Kunst- und Kulturschätzen
in den von Nazi-Deutschland besetzten Ländern. Betroffen waren
vor allem Archive, Bibliotheken und Kulturschätze jüdischer
Gemeinden und Eigentümer. In Litauen galt dies für alle Synagogen
und jüdischen Kultureinrichtungen, in Wilna insbesondere für
das YIVO und die Strashun-Bibliothek.

 

Entnazifizierung

Zur Zerschlagung des Nazismus und Militarismus, einem erklärten
Kriegsziel der alliierten Siegermächte, wurden in den ersten
Nachkriegsmonaten von den alliierten Militärbehörden Befragungs-
und Untersuchungsverfahren gegen NSDAP-Mitglieder
vor sog. Spruchkammern eingeleitet. In Verhandlungen wurde
über die Eingruppierung der Angeklagten in eine der vorgesehenen
fünf Gruppen entschieden: 1. Hauptschuldige, 2. Belastete
(Aktivisten, Militaristen, Nutznießer), 3. Minderbelastete
(Bewährungsgruppe), 4. Mitläufer, 5. Entlastete.

 

Fareynikte Partizaner Organizatsie (FPO)

Im Wilnaer Ghetto gegründete jüdische Widerstandsbewegung,
in der sich Angehörige verschiedener zionistischer, sozialistischer
und kommunistischer Jugendgruppen zusammenschlossen. Sie
verübten Sabotageakte, hatten Verbindung zu den Partisanen in
den Wäldern und zum Widerstand in anderen Ghettos.

 

Gaon

Der „Weise”, aus dem Hebräischen kommende Bezeichnung für
Talmudgelehrten. Bis heute berühmt ist der Gaon von Wilna,
Elijah Ben Salman (1720–1797). Er lehnte den mystischen
Chassidismus ebenso scharf ab wie die westliche, von Moses
Mendelssohn vertretene Emanzipationsbewegung und vertrat ein
eigenständiges, auf der Thora basierendes jüdisches Selbstverständnis.

 

Gestapo

Geheime Staatspolizei, 1933 zur Bekämpfung aller gegen den
NS-Staat gerichteten Bestrebungen gegründet, wurde unter dem
„Reichsführer SS” Heinrich Himmler mit der Kriminalpolizei zur
Sicherheitspolizei (Sipo) vereinigt. Zentrale war ab 1939 das
Reichssicherheitshauptamt unter Reinhard Heydrich, der auch
Chef des SS-Sicherheitsdienstes (SD) war.

 

„Häscher”

Neben den bewaffneten litauischen Hilfstruppen gehörten die
„Häscher” (litauisch: „Ypatingas burys”, jiddisch: „hapunes”)
einem gefürchteten Sonderkommando des SS-Sicherheitsdienstes
(SD) an, das versteckte Juden aufspürte und der Gestapo übergab.
Für Auslieferungen erhielten die Häscher Kopfgeld.

 

Hilfstruppen

s. Schutzmannschaften

 

Hitler-Stalin-Pakt

Im August 1939 zwischen Deutschland und der Sowjetunion
geschlossener Nichtangriffspakt, der in einem zusätzlichen
Abkommen Polen und die baltischen Staaten in eine deutsche
und sowjetische Interessensphäre aufteilte. Nach dem deutschen
Einmarsch in Polen wurde der östliche Teil Polens von Deutschland,
der westliche Teil und die baltischen Staaten von der Sowjetunion
besetzt. Hitlerdeutschland überfiel im Juni 1941 die
Sowjetunion unter Bruch dieses Nichtangriffsvertrags.

 

Holocaust

Aus der englischen Bibelübersetzung stammende Bezeichnung für
„Zerstörung durch Feuer”, die sich international und seit dem
Fernsehfilm „Holocaust” (1979) auch in Deutschland für die
Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten
durchgesetzt hat. In Israel und in zahlreichen Veröffentlichungen
ist die hebräische Bezeichnung Shoa (Katastrophe)
üblich.

 

Jiddisch

Das von den nach Osteuropa im 13. und 14. Jahrhundert eingewanderten
Juden gesprochene Mittelhochdeutsch, das mit hebräischen
Schriftzeichen geschrieben wird. Hebräische und slawische
Wörter fanden im Lauf der Zeit Eingang ins Jiddische, das
vor allem durch die jeder Synagoge angeschlossenen Lernhäuser
und durch Talmudschulen im Wilna des 18. und 19. Jahrhundert
zu einer hoch entwickelten Literatur- und Wissenschaftssprache
wurde. Mit dem Holocaust verlor sie, von der Ausnahme einer
Minderheit abgesehen, ihre lebendigen kulturellen Träger.

 

Judenrat

In den meisten Ghettos des NS-besetzten Osteuropa befohlenes
Vertretungsorgan, meist mit „Honoratioren” besetzt, das die
Verwaltung der Ghettos zu organisieren und die Anordnungen der
Besatzung bis hin zur Vorbereitung von Deportationen auszuführen
hatte. Die Judenräte wurden zwischen erzwungener Befehlsausführung
und dem Versuch, die Ghettogefangenen zu schützen,
zerrieben, da sie letztlich als Instrument der Unterdrückung
und Vernichtung benutzt wurden.

 

Jung Wilna (Jung Wilne)

Eine in den 1930er Jahren entstandene Vereinigung junger Künstler,
der Schriftsteller, Maler und Musiker angehörten. Viele ihrer
Mitglieder bauten das kulturelle Leben im Wilnaer Ghetto auf
und waren gleichzeitig im Widerstand aktiv, etliche von ihnen
wurden Opfer der Vernichtung. Zu den überlebenden Zeitzeugen
gehören die Schriftsteller Shmerke Kaczerginski, Abraham
Sutzkever und Abba Kovner.

 

Litwaken

Bezeichnung für die aus dem früheren jiddischen Sprach- und
Kulturraum Osteuropas (insbesondere Litauen und Weißrussland)
stammenden, heute zerstreut auf der ganzen Welt lebenden
Juden. Sie treffen sich in mehrjährigem Abstand zu einem
Weltkongress in Wilna.

 

Memelgebiet

Der nördlich und südlich der Njemas-(Memel-)Mündung liegende
Landstreifen bei Kleipeda (früher: Memel) gehörte ursprünglich
zu Ostpreußen, wurde nach dem Ersten Weltkrieg international
verwaltet und 1923 von Litauen annektiert. In der deutschen
Bevölkerung organisierte sich früh eine starke NS-Bewegung. Im
März 1939 erpresste die Reichsregierung die Rückgabe des
Memelgebiets an Deutschland. Seit Kriegsende gehört es zu
Litauen.

 

Nationalistische Verbände in Litauen

Im Verlauf der 1920er und 1930er Jahre entstandene rechtsextreme
und antisemitische Organisationen, unter ihnen der
„Eiserne Wolf“ (ab 1927), die „Vereinigung Litauischer Geschäftsleute“
(ab 1930) und die „Gesellschaft des Wiederauflebens
Litauens“ (ab 1933). Während der sowjetischen Besatzung (1939–
1941) gründeten nach Deutschland geflohene litauische Exilpolitiker
in Berlin die antisemitische „Litauische Aktionsfront“
(LAF), die mit deutscher Unterstützung in Litauen Flugblätter
gegen das „jüdisch-sowjetische Regime“ verbreitete und Untergrundzellen
organisierte. Ihr Feindbild vom „jüdischen Bolschewismus“
stimmte mit der Nazipropaganda überein, weshalb sie
sich „Partisanen“ nannten und nach dem deutschen Einmarsch
von der Wehrmacht geduldete und von den SS-Einsatzgruppen
begünstigte Pogrome an der jüdischen Bevölkerung verübten.
Schon im Juni/Juli 1941 wurden die „Partisanen“ zu Polizeibataillonen
zusammengefasst, die unter dem Kommando der SS
maßgeblich an der Verfolgung und Vernichtung der litauischen
Juden beteiligt waren.

 

Novemberpogrom

Der nach einem Anschlag eines jüdischen Flüchtlings auf einen
deutschen Botschaftsangehörigen in Paris am 9./10. November
1938 von den Nationalsozialisten inszenierte reichsweite Pogrom,
dem über 1000 Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen
sowie nahezu 100 Juden zum Opfer fielen. Den Gewalttaten
folgte die völlige Entrechtung der Juden im deutschen
Machtbereich, sie waren Vorboten der mit Kriegsbeginn einsetzenden
Vernichtungspolitik.

 

Novemberrevolution

Die von Arbeiter- und Soldatenräten getragene, revolutionäre
Bewegung, die im November 1918 zum Sturz der Monarchien in
Deutschland und Österreich-Ungarn und zur Errichtung parlamentarischer
Republiken führte.

 

Nürnberger Gesetze

Die auf dem Nürnberger Reichsparteitag im September 1935
beschlossenen Gesetze, die Juden zu Bürgern zweiter Klasse
machten, Ehe und sexuelle Beziehungen zwischen „Ariern” und Juden unter Strafe stellten und gesetzlich festlegten, wer als Jude
zu gelten hatte.

 

Nürnberger Prozesse

Im Strafprozess vor dem Internationalen Militärtribunal (IMT)
in Nürnberg von November 1945 bis Oktober 1946 mussten sich
deutsche Hauptkriegsverbrecher (NS-Politiker, Generäle, Spitzenbeamte,
NS-Funktionäre) wegen Führung eines Angriffskrieges,
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
verantworten. Diesem Prozess folgten von 1946 bis 1949 zwölf
Verfahren vor US-Militärgerichten u.a. gegen weitere NS-Politiker,
Generäle, SS-Funktionsträger, Ärzte und Wirtschaftsvertreter.

 

Oktoberrevolution

Die nach dem damaligen russischen Kalender im Oktober 1917
unter Führung Lenins und Trotzkis in Russland erfolgte Machtübernahme
der Bolschewiki, die zur Entstehung der Sowjetunion
führte.

 

Pogrom

Aus dem Russischen stammende Bezeichnung für gewalttätige
Ausschreitungen gegen Minderheiten allgemein, seit Ende des 19.
Jahrhunderts vor allem bezogen auf Pogrome gegen jüdische
Minderheiten.

 

Polnische Teilungen

Ende des 18. Jahrhunderts in drei Schritten erfolgte Aufteilung
des polnischen Königreichs zwischen dem zaristischen Russland
und den österreichischen und preußischen Monarchien. Zwei
Drittel des polnischen Territoriums, darunter auch Litauen mit
Kaunas und Wilna, fielen an Russland.

 

Potsdamer Konferenz

In ihrer letzten Kriegskonferenz vereinbarten die USA, Großbritannien
und die Sowjetunion im Juli/August 1945 u.a. das
Besatzungsregime in Deutschland, die Auflösung aller nationalsozialistischen
Organisationen und der Wehrmacht sowie die
Entnazifizierung.

 

Reichskommissariat Ostland

Verwaltungsgebiet, das nach dem deutschen Überfall auf die
Sowjetunion 1941 die baltischen Staaten und Teile Weißrusslands
umfasste. Reichskommissar war der vorherige Gauleiter von
Schleswig-Holstein, Hinrich Lohse, mit Sitz in Riga. Litauen
bildete eines der vier Generalkommissariate. Aufgabe war vor
allem die wirtschaftliche Ausbeutung zur Versorgung der Wehrmacht
und die Deportation von Zwangsarbeitern nach Deutschland.
Die Dienststellen des Reichskommissariats waren an der
Vernichtung der Juden und an der Partisanenbekämpfung beteiligt.

 

„Reichskristallnacht”, Reichspogromnacht

s. Novemberpogrom

 

SA

Abkürzung für „Sturmabteilung”, die sich von der Ordnungstruppe
zur Terrororganisation der NSDAP gegen politische
Gegner entwickelte. Sie verlor 1934 ihre Vormachtstellung an die
SS, blieb aber die Massenorganisation der Nazipartei, die antisemitische
Aktionen und vormilitärische Ausbildung organisierte.

 

Schutzmannschaften

Sammelbegriff für die nach dem Einmarsch in die Sowjetunion u.a.
im Reichskommissariat Ostland aus einheimischen Hilfswilligen,
meist nationalistisch-antisemitischen Organisationen gebildeten
Einheiten. Sie wurden zu paramilitärischen Hilfstruppen aufgebaut. Die antisemitischen „Partisanen” Litauens wurden von der
deutschen Besatzung Zug um Zug in Polizeibataillonen zusammengefasst
und bei Verfolgungs-, Bewachungs- und
Vernichtungsaktionen eingesetzt.

 

Sicherheitsdienst (SD), Sicherheitspolizei (SiPo)

Der SD wurde 1931 als Nachrichten- und Agentenapparat der SS
zur Ausforschung der politischen Gegner und der Bevölkerung
gegründet. Ihm gehörten um 1940 über 3.000 hauptamtliche
Mitarbeiter und ein großes Agentennetz an. Kriminal- und Gestapo-
Beamte, die SS-Mitglieder waren, waren in den SD eingebunden.
In den besetzten Gebieten spielte der SD bei der Unterdrückung
und Vernichtung eine zentrale Rolle. Die SiPo entstand
1936 aus der Zusammenlegung von Kriminalpolizei und Gestapo
und deren Eingliederung in die SS. Faktisch wurden damit SD,
SiPo, Gestapo und Kripo zu einem vom SS-Reichssicherheitshauptamt
zentral gesteuerten Terrorapparat.

 

S S

Abkürzung für „Schutzstaffel”, ursprünglich als Elitetruppe der
Nationalsozialisten konzipiert („Herrenmensch”), wurde unter
Heinrich Himmler nach der Zusammenlegung aller Polizeidienste
und der SS im Reichssicherheitshauptamt zur zentralen Terrororganisation
des NS-Regimes.

 

Stahlecker-Bericht

Benannt nach Walter Stahlecker, SS-Befehlshaber der Einsatzgruppe
A. Der an die SS-Führung gerichtete Bericht vom 15. 10.
1941 schildert die Arbeitsweise und Einzelheiten bei den Mordaktionen
zwischen Juni und Oktober 1941 in den baltischen
Ländern.

 

Strashun-Bibliothek

1892 von dem jüdischen Gelehrten und Philanthropen
Mattityahu Strashun in Wilna gestiftete, größte Bibliothek
Europas für Manuskripte und Bücher in jiddischer Sprache.

 

Verbrecherische Befehle

Von Hitler, der deutschen Wehrmachtsführung und einzelnen
Befehlshabern – zum Teil noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion
– erteilte Befehle, die Verbrechen anordneten, billigten oder
deckten (u.a. Ermordung von Juden und slawischer Zivilbevölkerung,
von kommunistischen „Kommissaren” und von Kriegsgefangenen).

 

Versailler Vertrag

Der zwischen Deutschland und den über 20 Kriegsalliierten im
Juni 1919 geschlossene Vertrag war die völkerrechtliche Beendigung
des Ersten Weltkriegs. Er enthielt die Satzung des Völkerbundes,
regelte Gebietsabtretungen u.a. an Frankreich (Elsaß-
Lothringen) und an die neu entstandenen Staaten Polen und
Tschechoslowakei; er beschränkte die deutsche Militärmacht und
legte Reparationen fest, die die These von der alleinigen Kriegsschuld
Deutschlands zur Grundlage hatten. Die antidemokratischen
Kräfte, unter ihnen die erstarkende NSDAP, bekämpften
den Versailler Vertrag als „Schand- und Diktatfrieden”. 1937
kündigte NS-Deutschland den Vertrag.

 

Widerstand

Im jüdischen Widerstand Osteuropas fanden die ideologisch und
politisch sehr unterschiedlichen Jugendorganisationen zu einem
engen Bündnis zusammen. Die FPO in Wilna wurde ebenso von
religiös-zionistischen und sozialistisch-zionistischen Organisationen
getragen wie von den nicht-zionistischen Bundisten und
der kommunistischen Jugendorganisation.

 

Weimarer Koalition

Bezeichnung der – im Unterschied zu den Rechtsextremen und
den Kommunisten – zur parlamentarischen Verfassung der Weimarer
Republik stehenden Parteien der Sozialdemokratie, des
Zentrum und der Liberalen.

 

Wilna

(Litauisch: Vilnius, polnisch: Wilno, jiddisch: Wilne) 1918 bis
1920 Hauptstadt der von Russland unabhängig gewordenen
Republik Litauen, 1920 bis 1939 unter polnischer Herrschaft,
1939 bis 1941 und 1944 bis 1989 Hauptstadt der Litauischen
Sozialistischen Sowjetrepublik, seit 1990 Hauptstadt der unabhängigen
Republik Litauen.

 

Yad Vashem

Hebr.: „Denkmal und Name“, Nationale israelische Holocaust-
Gedenkstätte in Jerusalem.

 

YIVO

Das 1925 von dem Sprachwissenschaftler Max Weinreich in
Wilna gegründete „Yidisher Visnshaftlekher Institut” (YIVO), das Kultur zum Ziel hatte und innerhalb weniger Jahre 40.000 Bände
und Manuskripte in jiddischer Sprache sammelte. Die jungen
Schriftsteller Abraham Sutzkever und Shmerke Kaczerginski
waren mit dem YIVO eng verbunden und retteten in der Ghetto-
Zeit unter Lebensgefahr Handschriften, Bücher und andere
Kulturschätze. Die versteckten Schätze wurden nach der Befreiung
teils nach New York geschmuggelt, teils blieben sie in Vilnius
erhalten und konnten in den 1990er Jahren restauriert werden.
Das YIVO befindet sich heute in New York.

 

Zionismus

Der Zionismus (von „Zion”, dem Namen des Tempelbergs in
Jerusalem abgeleitet) entstand im 19. Jahrhundert als politische
und soziale Bewegung mit der Zielsetzung, in Palästina „eine
gesicherte Heimstätte” für Juden zu schaffen. Er gewann als
religiöse Idee („Rückkehr nach Zion”), als säkulare Idee des
Nationalstaates und als Antwort auf Diskriminierung und Verfolgung
dank der von Theodor Herzl (1860–1904) ins Leben gerufenen
„Zionistischen Weltorganisation” wachsende politische
Bedeutung.