Falck, Hermann

(1917-1943)

Absolvent des Ludwig-Georgs-Gymnasiums, kaufmännischer Angestellter bei der Firma E. Merck mit vielfältigen Sprachkenntnissen, wurde nach seiner Einberufung zu einer Dolmetschereinheit von einem Kameraden, der ihm das Tagebuch mit pazifistischen Eintragungen entwendete, denunziert. Das Reichskriegsgericht verurteilte ihn am 16. Januar 1943 wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode. Falck wurde am 9. April 1943 hingerichtet. Sein Grab befindet sich auf dem Darmstädter Alten Friedhof.

Text zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016 in der Centralstation Darmstadt:

„Liebe Eltern, liebe Friedlis! Nun habe ich im Hier noch wenige Stunden Zeit. Und diese Zeilen sind endgültig meine letzten.

Ich werde nun noch das Abendmahl nehmen und dann bin ich für die letzte

Reise durch das dunkle Tor bereit. An diesem Ausgang bedauere ich euer

Leid, denn ich werde ja gleich einem schimpflichen Verbrecher gezählt. … Ich

selbst bin keineswegs unruhig, gerade werde ich meinen letzten Gang gehen,

habe mir ja nichts vorzuwerfen.“

 

Diese Abschiedsworte schreibt Hermann Falck am 09. April 1943 - am Tag seiner Hinrichtung. Im Januar des Jahres hatte ihn das Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt. Sein Verbrechen: Er hatte seinem Tagebuch  während des Frankreichfeldzugs kritische Gedanken zur NS-Herrschaft und  zum Krieg anvertraut.

Hermann Falck, 1917 in Hannover geboren, kommt 1925 nach Darmstadt. Sein Vater, ein begeisterter Kunstsammler, zunächst Direktor der Möbelfabrik E. Glückert, eröffnet ein Antiquitätengeschäft in der Karlsstraße. Hermann besucht das Ludwig-Georgs-Gymnasium und legt dort sein Abitur ab. Er beherrscht schon im Laufe seiner Schulzeit Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Latein, Griechisch und Hebräisch. 1934 reist Hermann nach Frankreich – sein Interesse und seine Liebe gilt der Kultur und Sprache des Nachbarlandes.

Er ist aber auch Mitglied des Jungstahlhelm und wird am 1. November 1933 in die SA übernommen. Wir wissen nicht viel über seine Motive, sich den paramilitärischen, faschistischen Organisationen anzuschließen. Aber in den Akten lesen wir, dass er unbedingt die SA wieder verlassen will, was ihm mit dem 15. August 1935 auch gelingt.

Die Beurteilung der örtlichen SA-Führung lautet:

„Keine Dienstauffassung. Drückeberger. Weltanschaulich nicht gefestigt (Stahlhelmfimmel). Kein Kamerad, nur ein Angeber. Paßt nie in die SA."

Und als Grund des Ausscheidens: "Interesselosigkeit, Austritt nahegelegt."  

1940 kommt Hermann Falck wieder nach Frankreich – diesmal als Dolmetscher einer Wehrmachtseinheit. Als Übersetzer wohnt er auch Verhören und mit Sicherheit auch Folterungen bei. Das war für ihn schwer zu ertragen: seine Abneigung gegen den Krieg und den Nationalsozialismus äußert er offensichtlich auch gegenüber seinen Kameraden und er vertraut sie seinem Tagebuch an - und wird denunziert. Warum und mit welchem Ziel wissen wir nicht, und ob die Denunzianten die Folgen erahnen, wissen wir auch nicht. Aber – wie Hannah Arendt schreibt:

 „DasWesentliche der totalitären Herrschaft liegt darin, dass sie die Menschen, so wie sie sind, mit solcher Gewalt in das eiserne Band des Terrors schließt, dass der Raum des Handelns, und dies allein ist die Wirklichkeit der Freiheit, verschindet.“

Und so ist auch ein privates Tagebuch ein solcher Raum, der verschwinden soll.

Am Haupteingang des Alten Friedhofes erinnert ein Gedenkstein an Hermann Falck.