Ulmann, Gertrud

 Text zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016 in der Centralstation Darmstadt:

(1876 – 1943)

Gertrud Ulmann wurde im September 1876 in Greifswald/Mecklenburg-Vorpommern geboren. Sie war die zweite von drei Töchtern des jüdischen Professors für Geschichte Heinrich Ulmann und dessen Frau Sophie. Nach der Emeritierung des Vaters siedelte die Familie 1913 nach Darmstadt um und bezog eine Wohnung in der Ohlystraße. Als ausgebildete Malerin fand Gertrud bald Anschluss an die 1919 gegründete Künstlergruppe „Darmstädter Sezession“ und war mit ihren Bildern an allen wichtigen Ausstellungen der Sezession vertreten. Außerdem fand sie Freunde und Förderer ihrer Kunst. Vor 1933 ist der mehrfache Ankauf ihrer Bilder für die Städtische Sammlung überliefert.

Die Kunsthistorikerin Gisela Bergsträsser, die damals am Hessischen Landesmuseum tätig war, charakterisierte die Malerei von Gertrud Ulman als „kraftvoll und klar“ im Sinne eines  „gemäßigten, beruhigten Expressionismus“. Ihre Themen waren südliche Landschaften, Blumen- und Gartenbilder, Porträts und religiöse Szenen.

Nach dem Tod ihres Vaters 1931 – die Mutter war schon früh verstorben – lebte Gertrud Ulman in der Wohnung ihres Vaters. Ab 1938 wurde ihr Vermögen zunehmend beschlagnahmt, zuletzt musste sie auch ihre Wohnung verlassen und in eine sogenannte „Judenwohnung“ in der Theodor-Fritsch-Straße einziehen. Dort lebte sie gemeinsam mit dem Ehepaar Brill, bis sie gemeinsam mit dieser Familie am 27. September 1942 abgeholt, zum Güterbahnhof getrieben und mit fast 1300 anderen nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort starb sie am 21.01.1943 an Entkräftung. 

Am 14. September 1942 schrieb sie ahnungsvoll an eine Freundin in Greifswald:

 „in wenigen Tagen wird es nun wohl soweit sein. Schwer der Blick in die Zukunft. Ob man noch mal seine Menschen wiedersieht. Manchmal ersehne ich nur baldiges Ende all der Leiden, manchmal erwaere ich ein Wiedersehn….“

Von ihrem Werk ist nicht viel geblieben. Einiges hatte sie untergestellt, einiges verbrannte bei dem Angriff auf Darmstadt, die Bilder aus ihrem Zimmer wurden beschlagnahmt und tauchten nicht wieder auf, einiges hat sich bei Freunden erhalten. 2013 wurden in der Ausstellung „Der Weibliche Blick. Vergessene und verschollene Künstlerinnen in Darmstadt 1880-1930“ im Kunstarchiv Darmstadt fünf ihrer Bilder dem Vergessen entrissen.