Orlemann, Heinrich

(1909-1942)

In Arheilgen geboren und aufgewachsen, aktiver Mitarbeiter der Jugendarbeit in der evangelischen Kirche, später Studium und Universitätsassistenz, 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Text zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016 in der Centralstation Darmstadt:

Wir erinnern an Heinrich Orlemann aus Arheilgen. Er ist dort im Jahre 1909 geboren und wurde am 11. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet. Heinrich Orlemann war einer von vermutlich 10.000 bis 15.000 Männern, die von den Nationalsozialisten wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslagern inhaftiert und von denen wahrscheinlich mehr als die Hälfte umgebracht worden sind.

Schon vor dem Machtantritt der Nazis 1933 war Homosexualität unter Männern strafbar. Die Nationalsozialisten verschärften die Jagd auf Schwule jedoch gnadenlos, weil sie Homosexualität als Verbrechen gegen die Fortpflanzung der germanischen Herrenrasse  verfolgten. In der Lagerstatistik wurden sie als Berufsverbrecher geführt. Homosexualität ist erst seit 2004 in Deutschland nicht mehr strafbar.

Heinrich Orlemann war eines der vielen Opfer dieser unmenschlichen Ausgrenzung. Bis zu seinem Studium der Theologie war er engagierter Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde in Arheilgen. Er wollte Pfarrer werden. Sein Studium schloss er 1935 mit der Promotion ab. Nach mehreren Verurteilungen wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Im Dokument der Gedenkstätte Sachsenhausen ist u.a. vermerkt:

Quelle: Sterbezweitbuch
Beruf: Universitätsassistent ….

Verstorben: 11.07.1942

Todesursache; Schussverletzungen bei Fluchtversuch

Über Heinrich Orlemann, sein Schicksal und seine Ermordung wurde nach 1945 in Arheilgen geschwiegen. Sein Name schien ausgelöscht. Seit Oktober 2015 erinnert ein Stolperstein in der Messelerstraße an sein zerstörtes Leben.

 (Quellen: Gedenkstätte Sachsenhausen; Philipp Benz in: Arheilger Post vom 19.12.2002; Gerichtsakten Hesischen Staatsarchiv Darmstadt; Dokumentation Markus Jöckel)