Salm, Erna

(1906–2001)
 
Sie war Pianistin und Lehrerin an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Sie verließ Darmstadt 1935 und heiratete 1936 Arthur Salm in Köln. Von dort aus gelang dem Ehepaar Salm 1939 die abenteuerliche Flucht über Amsterdam und England nach USA. In Chicago konnten Arthur Salm als Geschäftsmann, Erna Salm als Musikerin ein neues Leben aufbauen. Hoch geehrt starb Erna Salm, die schon wenige Jahre nach 1945 Darmstadt und die Jüdische Gemeinde der Stadt immer wieder besucht hatte, am 12. Juli 2001. Das „Holocaust and Genocide Memorial in der Sonoma State University“ trägt den Namen von Erna und Arthur Salm und ist den Opfern der Shoah gewidmet. 
Text zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016 in der Centralstation Darmstadt:

Am 8. Februar 1906 wurde Erna Salm als 2. Kind von Isidor und Hedwig Mann geb. Löw, Besitzer der Herrn-Schneiderei, Ludwigstraße 3, in Darmstadt geboren. Dort erlebte sie als Jüdin, bis zu ihrer Flucht 1939, die Schrecken und das Unheil des Naziterrors. Als Musikpädagogin und Pianistin an der Darmstädter Akademie für Tonkunst, gab sie dort 1935 ihr Abschiedskonzert und lebte danach zunächst bei der Familie ihres Verlobten, Arthur Salm, in Köln. Sie heirateten 1936 und mussten 1939, nachdem ihr Mann mehrere Wochen im KZ Dachau inhaftiert gewesen war, das Land verlassen. Erna Salm erinnerte sich:

„Die Gestapo sagte zu ihm: ‚Falls du Deutschland nicht bis zum 20. Januar verlassen hast, wirst du nach Dachau zurückgeschickt. Deine Frau kann mit dem Kind folgen“.

Arthur und Erna Salm flohen zunächst nach Holland. Noch im gleichen Monat wurde ihre Tochter Evelyn geboren. Die Flucht über Belgien und Großbritannien und die Ausreise in die USA zog sich unter abenteuerlichen Bedingungen bis Januar 1940 hin. Sie glückte durch die Hilfe holländischer Bürger. Zusammen mit vielen Emigranten erreichten die Salms an einem kalten Wintertag das sichere Amerika. Ernas Tante und der Onkel erwarteten sie. Ein Jahr später entkamen auch die Eltern von Erna Salm mit dem letzten Schiff aus Lissabon

Über ihre Flucht und Emigration in die USA berichtet Erna Salm in dem Buch „Das zweite Leben. Darmstädter Juden in der Emigration“ (Darmstadt 1993). Erna Salm-Mann konnte sich – wie ihr Mann Arthur, der Importkaufmann wurde -  in den Vereinigten Staaten eine neue Karriere als Pianistin und Musikpädagogin aufbauen. Mit ihren vier Kindern trat sie als Salm-Ensemble in den 50er Jahren in Rundfunk und Fernsehen auf.

Sie war eine der ersten ehemaligen jüdischen Darmstädterinnen, die die Hand zur Versöhnung und Freundschaft reichte und ihre Heimatstadt mehrfach besuchte. Sie gab in Darmstadt bis ins hohe Alter nicht nur zahlreiche Konzerte, sondern berichtete auch als Zeitzeugin immer wieder in Schulen und in der Jüdischen Gemeinde.

Am 12. Juli 2001 starb Erna Salm in Laguna Hills, Kalifornien.

Das 2006 errichtet Holocaust and Genocide Memorial in der Sonoma State University trägt den Namen von Erna und Arthur Salm und ist den Opfern der Shoah gewidmet.

 

Quellen:

Erna Salm, Der Gestapo-Mann war britischer Spion. Auswanderung mit Hindernissen. In: Das zweite Leben. Darmstädter Juden in der Emigration. Ein Lesebuch. Hg. Moritz Neumann, Eva Reinhold-Postina. Darmstadt1993, S. 119 ff. – Hinweis auf eine Audio-Aufnahme und auf Fotos im Museum der Jüdische Gemeinde Darmstadt

http://articles.chicagotribune.com/2001-08-21/news/0108210147_1_concert-series-young-artists-series-performance

http://www.darmstaedter-geschichtswerkstatt.de

DE 14.Mai 1987

Großh. Polizeiamt Darmstadt, Melderegisterblatt

 

 
Biographie Langfassung (DOC)