Fröba, Georg

(1896-1944)

Geboren in Bayreuth, Schneidermeister und Gewerkschafter (Textilgewerkschaft), KPD-Politiker. 1927-1933 Mitglied des Stadtrats, Vorsitzender der KPD-Unterbezirks und des Darmstädter Erwerbslosenausschusses. 1933 Verhaftung, KZ Osthofen, Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats. Ab 1936 Aufbau und Leitung eines kommunistischen Widerstandsnetzes aus Betriebs- und Wohngebietsgruppen. Nach Denunziation 1943 Verhaftung mit weiteren Kommunisten. Am 6. September 1944 Todesurteil durch den in Darmstadt tagenden 2. Senat des Volksgerichtshofs, am 27. Oktober 1944 Hinrichtung in Frankfurt-Preungesheim. Grabstätte auf dem Alten Friedhof.

Text zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2016 in der Centralstation Darmstadt:

Georg Fröba. gehörte zu den Mitgründern der Kommunistischen Partei in Darmstadt nach dem Ersten Weltkrieg. Er war bis 1933 deren Vorsitzender, auch Mitglied im Stadtparlament, von Beruf Schneider und Vorsitzender der hiesigen Textilgewerkschaft. Die Nazis inhaftierten ihn – wie viele andere ihrer Gegner aus der KPD, der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften – zunächst im hessischen KZ Osthofen. Noch 1933 wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach seiner Freilassung baute er zwischen 1935 und 1943 in Darmstadt ein Widerstandsnetz in Betrieben und Wohngebieten auf. Widerstand hieß damals vor allem: verbotene Nachrichten verbreiten, Familien verhafteter Genossen beistehen, zu Zwangsarbeitern Kontakt halten und ihnen mit Lebensmitteln helfen. Im Januar 1943 flog die Organisation um Fröba durch einen Spitzel auf. Er wurde mit vier anderen Genossen verhaftet. Der berüchtigte Volksgerichtshof verurteilte ihn im September 1944 als „unverbesserlichen Staatsfeind“, wie es im Urteil hieß, zum Tode. Die vier Mitangeklagten kamen mit hohen Freiheitsstrafen davon. Georg Fröba wurde am 27 Oktober 1944 in Frankfurt hingerichtet. Er hatte von der Darmstädter Brandnacht und vom Überleben seiner Familie noch erfahren. Im letzten Brief an seine Frau schrieb er:

„Dass mich bei aller Sorge um die eigenen Angehörigen all das große Leid der vielen Opfer schmerzt, brauche ich Dir ja nicht besonders zu versichern.“

Fröba erhielt in den 1970er Jahren auf dem, Alten Friedhof, wo seine Urne 1947 bestattet worden war, ein Ehrengrab. Schon zu Beginn der 1960er Jahre war jedoch die nach ihm benannte Anlage an der Odenwaldbrücke über Nacht in August-Buxbaum-Anlage umbenannt worden – Fröba war Kommunist, im damaligen Klima des Kalten Krieges sollte sein Name aus der Öffentlichkeit verschwinden. Erst seit Anfang der 1990er Jahre existiert in der Heimstättensiedlung ein Weg, der Fröba auch als Widerstandskämpfer nennt. Es hatte vieler Proteste, Petitionen und Bemühungen bis zu dieser minimalen Rehabilitierung bedurft.

Das „politisch motivierte Vergessen“ dauerte bis 2014 an. Der Oberbürgermeister der Stadt ehrte Georg Fröba im Juli 2014 nach Jahrzehnten gemeinsam mit den sozialdemokratischen Widerstandskämpfern auf dem Waldfriedhof und im Oktober danach an seinem Grab als unbeugsamen Antifaschisten, der er bis zuletzt geblieben war.

 

 

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Quellen: Bundesarchiv; Stadtarchiv Darmstadt; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten; Stadtlexikon Darmstadt (2006)

Vortrag über Georg Fröba (DOC) 

Ehrung von Georg Fröba (DOC) 

Ausstellungs-Rollup (PDF)